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Lügen haben kurze Beine - Die USA und ihre Irak Affäre
Veröffentlicht am Dienstag, 17.August. @ 15:00:00 CEST
Thema: Law Zone
Law Zone
Es hätte eine intensive Affäre werden können, wäre sie nur nicht von so viel Hass und Gewalt durchtränkt. Für eine funktionierende Affäre fehlt es am Gegenteil, der Liebe und dem Vertrauen. Verspielt hat die Regierung Bush das Vertrauen der irakischen Bevölkerung, durch ihre Arroganz und Lügen. Befreien wollten Sie das irakische Volk, ihnen Demokratie und Freiheit bringen. Bekommen haben sie militärische Roboter mit Sonnenbrillen und einen Cowboy als neuen Verwalter. Als nach der Einnahme Bagdads die Plünderungen losgingen, bewachten die meisten US-Soldaten Raffinerien und Pipelines. Drei Tage vor der Einnahme wurden in Bagdad die Elektrizitäts- und Wasserwerke durch das US-Militär bombardiert und außer Funktion gesetzt. Ein Zustand der bis Heute noch anhält. Das Perfide: noch vor dem Irak-Krieg wurden die Wiederaufbauaufträge unter US-Firmen verteilt.


Der Krieg, der erst richtig anfing, als er offiziell beendet wurde
 
Militärisch gesehen war es ein voller Erfolg. Binnen sechs Wochen war der Widerstand von Saddams-Truppen gebrochen und der Irak erobert. Eine viertel Million US-amerikanische Truppen waren daran beteiligt und wurden am Persischen Golf stationiert. Davon waren 150.000 Infanteristen, deren Mehrheit bis Heute im Irak ihren Dienst schieben. Jedoch hat die US-Regierung versäumt die Gunst der Stunde zu nutzen, kurz nach der Befreiung des Iraks auch als Befreier von der Bevölkerung akzeptiert zu werden. Seit März 2003 sind ca. 10.000 irakische Zivilisten und ca. 800 US-Soldaten getötet worden. Offizielle Zahlen liegen nicht vor, denn US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat nicht vor zu zählen. Seit Mai vergangenen Jahres gibt es fast täglich Angriffe auf die im Irak stationierten Besatzungstruppen. Hierbei kann unterschieden werden, dass es sich einerseits um Aufständische handelt, die mit der US-Besatzung unzufrieden sind. Andererseits gibt es seit dem Sturz von Saddam Hussein vermehrt terroristische Aktivitäten im Irak. Al Qaida hat zum Jihad gegen die ungläubigen Besatzer aufgerufen und die Attentate im Irak reißen einfach nicht ab. Das UN-Hauptquartier, das IKRK, zwei Präsidenten des provisorischen irakischen Verwaltungsrates, hunderte US-Soldaten und irakische Polizisten, irakische Geistliche und etliche irakische Zivilisten sind bisher Ziele und Opfer des Terrors im Irak geworden. Die Angriffe richten sich hauptsächlich gegen ausländische Elemente. Diese Terroristen wollen den Irak in Anarchie stürzen, um als Warlords wie in Somalia oder Afghanistan tätig zu werden. Hauptsache der Westen lässt seine Finger vom Irak. Jedoch zu welchem Preis für die irakische Bevölkerung?
 
Private Sicherheitsfirmen, Halliburton und das Erdöl der Iraker
 
Die Halliburton Corp. besteht aus verschiedenen Segmenten und Tochtergesellschaften. Das Hauptgeschäft wird durch die Spezialisierung in der Entdeckung und Förderung von Erdöl, als auch durch den Aufbau von Raffinerien und Lieferung der dazugehörigen Infrastruktur gemacht. Eine Tochterfirma von Halliburton Corp., nämlich Kellogg Brown & Root (KBR), ist auf die logistische Unterstützung des US-Militärs spezialisiert. Zum Wiederaufbau und Deckung der Kriegskosten hat der US-Kongress für das Jahr 2003, über $ 87 Milliarden bereitgestellt. Jedoch fließt das Wenigste davon in den Wiederaufbau, sondern in die laufenden Betriebskosten der 135.000 US-Truppen die den Irak besetzt halten und $ 70 Milliarden verschlingen. Darunter auch über 10.000 private Sicherheitsangestellte (Söldner), die KBR im Irak im Einsatz hat, meist ehemalige Armeeangehörige, die dort das Vierfache verdienen als ein normaler Marine. Das Problem mit den Söldnern ist, dass wenn sie Menschenrechtsverletzungen begehen, es keine reale Möglichkeit gibt, sie auch strafrechtlich zu verfolgen. Meist sind sie bereits bei Anklageerhebung, aus dem Land indem sie ihre Taten begangen haben in die USA versetzt worden und werden nach US-Recht nicht ausgeliefert.      
In den Tagen vor dem Irak-Krieg haben Kriegsbefürworter in den Medien, immer wieder versucht das Argument zu entkräften, dass dieser Krieg um Erdöl geführt wird. Letztendlich ist der Irak-Krieg nicht nur wegen Erdöl geführt worden, sondern auch um den Nahen Osten zu demokratisieren. Jedoch stellt das irakische Erdöl einen „Leckerbissen“ für die Regierung Bush dar. Vor dem Irak Krieg sind die Preise von Erdöl auf 30 US $ pro Barrel gestiegen, eine Preiserhöhung von fast 28%, die im Mai 2004 mit 38 US $ pro Barrel zu einem Fünf-Jahres-Hoch führte. Die Angst der Industriestaaten, vor allem der USA, nicht genügend Erdölreserven deponiert zu haben, waren dafür die Hauptursache. Entgegen der Versprechung der Regierung Bush, dass die Erdölpreise nach Beendigung des Krieges sinken werden, ist bisher keine Erholung in Sicht. Die Profiteure dieses Preisanstiegs sind seit einem Jahr die Erdölfirmen und Erdöl fördernden Länder. Infolge der hohen Ergiebigkeit der Erdölbohrungen im Irak, sind die Förderkosten gering (ca. 2 $/b)[1]. Im Vergleich dazu ist die Förderung von Erdöl um das Fünffache in Texas (USA) und um das Achtfache an der Nordsee teuerer. Der Irak fördert zur Zeit ca. 2 Mio. Barrel pro Tag billiges Erdöl, was zum großen Teil in die USA exportiert wird. Zu welchen Preisen und Bedingungen ist nicht bekannt. Was bekannt ist, ist dass in hohen Stellen der Regierung Bush selbst Profiteure sitzen. Darunter der Vize-Präsident Dick Cheney, der ehemals im Aufsichtsrat und CEO von Halliburton Corp. war und immer noch Aktien der letzt genannten Firma in seinem Besitz hat. Die Vermutung der Vetternwirtschaft liegt sehr nahe und sollte sie sich jemals als richtig erweisen, wird die Regierung Bush in den Geschichtsbüchern als „Räuber im Selbstbedienungsladen“ gelten.
 
Folter als Mittel des Anti-Terror-Kampfes
 
Die Folterbilder aus Abu Ghraib haben das Image der USA nachhaltig in der Welt beschädigt. Eine Nation, die sich auf ihre Werte und Traditionen beruft, auf Demokratie und Freiheit, dafür einen Krieg anfängt, um ein Volk zu befreien und zu demokratisieren, verliert jeglichen Respekt, wenn systematisch in ihren Gefängnissen gefoltert wird. The New Yorker[2] berichtete im vergangenen Mai 2004 über einen geheimen internen Bericht des US-Verteidigungsministeriums, wo erstmalig offiziell Folterfälle aus Abu Ghraib untersucht wurden. Darin wurde bekannt, dass der Militärgeheimdienst die Folter als adäquates Mittel angesehen hat, um effizienter schnellere und bessere Informationen von den Gefangenen zu erhalten. Hierbei wurden Verhörmethoden verwendet, die zuerst in Guantanamo Bay[3] eingeführt worden waren. Da scheint es mehr als nur ein Zufall zu sein, dass der neue Leiter der irakischen Gefängnisse General Miller ist, ehemaliger Leiter von Camp X-Ray auf Cuba. Laut Berichten von Human Rights First, ein Zusammenschluss von Rechtsanwälten die sich für Menschenrechte einsetzen, unterhält die USA im Zuge des Anti-Terror-Kampfes in sechs verschiedenen Ländern 20 geheime Gefängnisse.[4] Darunter sind Afghanistan, Pakistan und Jordanien. Die rechtsfreie Zone des Anti-Terror-Kampfes wurde auch auf den Irak und Afghanistan ausgeweitet. Anscheinend gelten die amerikanischen Werte von Freiheit und Demokratie nur für die eigene Bevölkerung, jedoch nicht für Muslime. Zu Menschen minderen Wertes degradiert. Durch die USA ging eine Welle der Empörung. Der Druck auf Bush wurde so groß, dass er sich gezwungen sah, die Vorfälle untersuchen zu lassen und die Verantwortlichen zu bestrafen. Solche Handlungen lassen sich nicht mit amerikanischen Werten vereinbaren. Der „Imageschaden“ für Bush während des anlaufenden Wahlkampfes ist groß gewesen. Eine Verbindung des Weißen Hauses mit den Foltervorfällen in Abu Ghraib hätte sich auch zum „Genickbruch“ auswirken können. Die einfachste Lösung war es, den Leiter des CIA George Tenet zum Rücktritt - aus persönlichen Gründen - zu bewegen. Damit lässt sich die Affäre um Abu Ghraib leicht kaschieren und von den weiteren mitverantwortlichen Entscheidungsträgern ablenken. Beim Schach nennt man das den Springer opfern. Den Bauern zu opfern geht folgendermaßen: Ein US-Soldat, der auf den Folterbildern zu sehen war, wurde in Bagdad durch ein US-Militärgericht zu einem Jahr Haft verurteilt und unehrenhaft entlassen. Eine Auslieferung an den Internationalen Strafgerichtshof (ICC) lehnt die US-Regierung kategorisch ab. Sie erkennt den ICC nicht an und versucht dessen Legitimität zu unterminieren. Unlängst verlangte die USA die Verlängerung der Immunität ihrer Soldaten vom UN-Sicherheitsrat. Ein UN-Resolutionsentwurf liegt vor, jedoch gilt eine weitere Annahme auf Verlängerung der Immunität gegenüber dem ICC als unwahrscheinlich. Unter den Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates ist man nach den Misshandlungen von Abu Ghraib alarmiert und nicht Willens eine solche Politik noch weiter zu unterstützen. Dies hatte letztendlich zur Folge, dass die USA ihren Entwurf wieder zurück gezogen haben. In Washington sieht man von einer Abgabe der Souveränität an ein anderes unabhängiges Kontrollsystem (ICC), als „den ersten Schritt vor dem Untergang“. Die Regierung Bush hat sehr viele internationale Verträge, woraus sie ihrer Meinung nach keinen Nutzen ziehen könnte, gekappt. Das feinmaschige Netz der internationalen Beziehungen ist gestört. Ersetzt durch lehre Versprechungen, Drohungen und Lügen. Die Regierung Bush hat sich politisch selbst isoliert. Weltweit.
 
Propaganda und Intrigen gegen die UN
 
Unlängst hat Außenminister Powell zugegeben, falsche Informationen vom CIA über Massenvernichtungswaffen im Irak vorliegen gehabt zu haben und hat sich dafür entschuldigt. Im März 2003 hatte Powell vehement versucht den Sicherheitsrat von der Existenz von mobilen Waffenlabors und einer unmittelbaren Bedrohung ausgehend vom Irak zu überzeugen. Außenminister Fischer hatte sich empört, der Präsident der IAIA El Baradei die Beweise als nicht eindeutig charakterisiert und UN-Chefinspekteur ans BlixHansHans Blix zu Protokoll gegeben, dass er seit langem nicht so billige Fälschungen gesehen habe. Der UN-Sicherheitsrat (UNSC) stimmte gegen eine Resolution, welche einen Irak-Krieg legitimieren würde, Powell zog ab und Bush und seine „Falken“ ärgerten sich über die verlorenen Zeit bei der UN. Die Regierung Bush zog danach prompt mit der „Koalition der Willigen“ in den Krieg.
Später wurde bekannt, dass Hans Blix und Kofi Annan während der Zeit von diversen „Willigen“ Geheimdiensten abgehört wurden. Offenbar schien Jemand sehr daran interessiert gewesen zu sein, ob im Irak Massenvernichtungswaffen vorhanden waren oder nicht. Mehrere UN-Inspektoren hatten während des Irak-Kriegs klargestellt, dass eine große Mehrheit des irakischen Massenvernichtungspotenzials, in neun Jahren UN-Inspektionen vernichtet wurde. Jedoch hielten Bush und Blair an der unmittelbaren Bedrohung fest, die vom Irak ausging. Dokumente tauchten auf, wonach Saddam Hussein sich angeblich atombombenfähiges Uranerz aus dem Niger besorgt habe. Das Peinliche daran ist, dass der ehemalige US-Botschafter Joseph Wilson von der CIA angesetzt wurde der Sache nachzugehen, Recherchen anstellte, sogar die Uranerzminen besuchte und zum Schluss kam, dass die Dokumente billige Fälschungen waren. Seiner Ansicht nach sei es unmöglich, aus den streng kontrollierten Minen Erz zu entwenden. Dieser Report brachte seiner Frau, ehemalig für den CIA tätig, den Vorwurf ein, in einem ganz anderen Fall einen Geheimnisverrat begangen zu haben. The New York Times sahen in dieser Bestrafung einen Seitenhieb aus dem Resort vom US-Vizepräsidenten Dick Cheney, der meist aus dem Hintergrund agiert und sich selten zu etwas äußert. Wenn sich Jemand äußert, dann der Regierungssprecher Ari Fleischer, der auf die Frage eines Journalisten bezüglich der verwendeten Fehlinformationen antwortete, dass Vize-Präsident Dick Cheney damit nichts zu tun habe.    
 
Die Behauptung, dass der Irak Massenvernichtungswaffen besitzt, war eines der wichtigsten Kriegsargumente der „Koalition der Willigen“. Jedoch haben intensive Nachforschungen durch amerikanische Inspektoren bis heute keine Beweise für Massenvernichtungswaffen erbringen können. Ein aufgebrachter US-Waffeninspekteur im Irak hatte sogar bei CNN die Regierung Bush beschuldigt, die US-Bevölkerung und die Welt getäuscht zu haben. B
 
Eine Untersuchungskommission jagt die andere
 
Letztes Jahr bescherte uns die britische Hutton-Kommission die Unschuld der Regierung Blair bezüglich ihrer Unkenntnis über die falschen Geheimdienstinformationen und die Gründe für den Selbstmord des britischen UN-Inspektors David Kelly. Kelly der als geheimer Informant des BBC, die Schuld der Fehlinformation der britischen Regierung gab, wurde seinerseits von der Regierung als Sündenbock gegenüber der Öffentlichkeit präsentiert. Dabei hatte das Verteidigungsministerium gegenüber den Medien Kelly als Quelle indirekt offenbart. Auf Anfragen von Journalisten konnten diese nach dem Ausschlussprinzip bei allen in Frage kommenden Experten ermitteln wer der BBC Informant war, darunter Kelly. In Washington war während der gleichen Zeit auch Bush im Visier der Kritiker, was die Fehlinformation über die Massenvernichtungswaffen angeht. Jedoch hätte sich Bush kaum geschickter aus der Affäre ziehen können. Er sagte einfach, er habe diese Informationen von seinem Freund Tony Blair. Letzterer beteuerte daraufhin er habe die Informationen vom deutschen BND. Dabei gab der BND zu, dass diese Informationen nicht sicher und äußerst fragwürdig seien. Trotzdem tauchte diese Information, nicht nur im US-Dossier im UN-Sicherheitsrat auf, sondern auch im britischen Dossier, das im Parlament zur Abstimmung des Irak-Krieges geführt hat. (Es scheint einem so, als ob die absurdesten Argumente herhalten mussten, um einen illegalen Krieg zu rechtfertigen). Bush und Blair haben die Kontroversen überlebt. Ein Berater von Blair musste gehen, der BBC geriet wegen seinen bohrenden Fragen und kritischen Berichterstattung ins Visier der Regierung, die sogar Gerüchte verbreitete den Sender aufzuteilen. Letztlich entschlossen sich der Präsident und Vize-Präsident des BBC den Druck vom Sender zu nehmen, indem sie von ihren Posten zurücktraten – mit leisem sachlichem Protest.
 
Die Untersuchungskommission zu den Anschlägen vom 9/11 hat im Juni 2004 jegliche Verbindung von Saddam Hussein und Al Qaida offiziell ausgeschlossen. Sogleich meldet sich der russische Geheimdienst FSB und behautet, dass Saddam vorhatte, Anschläge gegen die USA zu verüben. Laut einer Umfrage glaubten im Januar 2003 etwa 70% der US-Bürger, dass Saddam Hussein etwas mit dem 9/11 zu tun hatte. Die US-Soldaten sehen demnach den Irak-Krieg als eine Weiterführung des globalen Anti-Terror-Kampfes und so wird es ihnen auch von hoher Stelle erklärt. Unlängst haben die Skandale der Regierung Bush dazu geführt, dass mehr als die Hälfte der US-Bürger die Entsendung von Truppen in den Irak als Fehler ansehen.
 
Auch in Afghanistan wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen
 
Ein ehemaliger Soldat, der letztes Jahr am Auslandseinsatz der Bundeswehr in Kabul teilgenommen hat, stellte der LZ  Bilder und Videoclips zur Verfügung, die er von einem US-Soldaten bekommen hatte. Darauf waren die uns aus dem Krieg bekannten grauen Luftbildaufnahmen zu sehen, sehr klar und deutliche weiße Wärmeumrisse von Menschen, vermutliche Terroristen oder Taliban, die bombardiert wurden. Eigentlich war es ziemlich unblutig, denn Blut kann man im grau-weiß Raster nicht erkennen. Auf einer Aufnahme, aus einer AC130-Herkules, die über ihrem Einsatzort irgendwo über Afghanistan fliegt, ist auch der Sprechfunk zwischen den befehlshabenden Offizieren und den Schützen zu hören. Die Bombardierung fängt auf Befehl an. Anfangs werden Fahrzeuge unter Beschuss genommen. Es fliehen dutzende Gestalten vor den Bomben und werden verfolgt. Ein weißer menschlicher Umriss, läuft querfeldein um sein Leben. Irgendwann treffen sie ihn. Kurze Stille, er ist entweder schwer verwundet oder tot. Dann explodieren drei weitere Bomben, dort wo der regungslose weiße menschliche Umriss liegt. Er verschwindet vom Schirm, nur noch grauer Hintergrund.
Nach Artikel 41 II c des 1. Zusatzprotokolls der Genfer Konvention darf ein kampfunfähig gemachter Gegner nicht angegriffen werden. Eine Verhältnismäßigkeit in der Art der Ausübung zur Erreichung des Zieles ist nicht gegeben. Einen einzelnen Mann mit mehreren Bomben außer Gefecht zu setzen widerspricht jeglicher Moral, als auch ökonomischen Überlegungen. Eine solche Vorgehensweise wird in den USA durch den weltweiten Anti-Terror-Krieg (9/11) begründet und dem Werturteil, dass ein GI mehr wert ist als ein Afghane (oder Iraker). Die US-Soldaten operieren in Afghanistan in der Anti-Terror-Operation Endouring Freedom. Gesucht werden Taliban und Al Qaida Kämpfer, aber vor allem Osama Bin Laden, der, falls er der letzte getötete Mensch auf der Aufnahme gewesen wäre, nicht mehr hätte identifiziert werden können.
 
Die Übermacht lässt ihre Muskeln spielen
 
Mit modernster Technik sitzen die verantwortlichen Offiziere online hinter Bildschirmen, meist sehr weit weg von den eigentlichen Kampfhandlungen, geben Instruktionen und den Schießbefehl. Der moderne Krieg des 21. Jahrhunderts ist zum Computerspiel pervertiert. Das Grauen des Krieges und dessen Folgen bleiben fern von den meisten Verantwortlichen. Die moderne Kriegsführung mutiert zu einer ganz unpersönlichen Sache, weit entfernt von den zurück gelassenen Toten. Die Gefahr ist, dass die Handlung des Tötens nicht mehr als solche wahrgenommen wird und keine Assoziation mehr mit den wirklichen Ausmaßen der reellen Brutalität gesetzt werden kann. Der Vorteil für das US-Militär dabei ist, dass der Soldat kein schlechtes Gewissen für seine Taten hat und keinem post-traumatischem Streßsyndrom unterliegt. Jedoch ist das größte Defizit der modernen Kriegsführung, die Erkennung des Feindes als solchen. Dabei spielt die Informationserlangung der Geheimdienste eine bedeutende Rolle, die im Falle von Afghanistan und Irak nicht gewährleistet ist. Kenne deinen Feind – eine Devise die längst vergessen wurde in Washigton. Arroganz einer Supermacht?
 
Die Kardinalfehler der US-Besatzung
 
- Der erste Verwalter des Irak hatte sich einen ganzen Monat untätig im Irak aufgehalten, bis Bush in entlassen und durch Paul Bremer ersetzen ließ. Jedoch war es schon zu spät. Die irakische Bevölkerung verfiel in Plünderungen. Für die US-Armee hatte während dieser Zeit die Priorität bestanden, die Erdölpipelines zu beschützen und nicht die Bevölkerung, die sich der Anarchie ausgesetzt sah. Dabei haben die US-Besatzungstruppen gegen Artikel 43 des IV. Haager Abkommens verstoßen, wonach sie für Sicherheit und öffentliche Ordnung in den von ihnen besetzten Gebieten zu sorgen haben. 
 
- Die Bombardierung von Wasser- und Elektrizitätswerken drei Tage vor dem Einmarsch in Bagdad, obwohl der US-Geheimdienst den befehlshabenden General von Bagdad gekauft und außer Landes geschafft hatte. Deshalb blieb auch ein irakischer Angriffsbefehl aus und die USA ersparten sich einen verlustreichen Straßenkampf. Psychologisch gesehen haben die einfachen Iraker nicht gekämpft, weil sie verraten wurden, ein Antrieb ihr schlechtes Gewissen im Untergrundkampf wieder gut zu machen.
 
- Das Ignorieren der Sitten und Bräuche der irakischen Bevölkerung. Dazu noch das arrogante Auftreten der Besatzungsmächte haben kontinuierlich zur Erniedrigung der Iraker beigetragen. Der kulturelle Graben kann von den Amerikanern nicht überwunden werden, da sie sich überlegen fühlen. Die Feinheiten der islamischen Kultur können sie nicht durchschauen und sind auch nicht Willens dies zu tun. Der Unterschied zwischen einem Rechtsstaat und einer Diktatur ist, dass ein Rechtsstaat nicht auf Mittel der Willkür, des Terrors und der Folter zurückgreift. Wenn sich eine Demokratie zu so einem Verhalten erniedrigt, verliert sie ihren moralischen Führungsanspruch, Legitimität und das in Sie gesetzte Vertrauen. Der Anti-Terror-Krieg kann nicht mit US-Terror gewonnen werden.
 
UN Resolution 1546
 
Am 8. Juni 2004 hat der UN-Sicherheitsrat die Resolution 1546 verabschiedet[5], nach fünfwöchigen Verhandlungen. Darin wurden folgende Punkte festgehalten:
 
-         die Übergangsregierung erhält ihre volle Souveränität  zum 30. Juni 2004, darunter auch die volle Kontrolle über die finanziellen und natürlichen Ressourcen
-         die Übergangsregierung soll in Richtung eines föderalen, demokratischen und Pluralen Iraks hinarbeiten, im Rahmen der Menschen- und Freiheitsrechte
-         die Wiederherstellung der UN-Mission im Irak und ihre Unterstützung zur Herstellung einer funktionierenden Zivilverwaltung, die Konstitutionalisierung einer Verfassung und Hilfe beim Wiederaufbau zu leisten
-         die Einwilligung der irakischen Übergangsregierung zum Aufenthalt der „multinationalen Truppen“, letztere verpflichten sich zur Einhaltung der internationalen Gesetze und Sorge zu Tragen um Sicherheit und Stabilität zu erreichen
-         die Durchführung von direkten demokratische Wahlen zum 31. Dezember 2004, spätestens zum 31. Januar 2005 zu leisten
 
Die ungeküsste Braut
 
Die Besatzungstruppen im Irak stehen mit ihrer Vorgehensweise auf verlorenem Posten. Die Einsicht der US-Regierung hier einzulenken ist vielleicht auch ein Lob wert. Jedoch werden auch weiterhin US-Truppen im Irak auf absehbare Zeit stationiert bleiben. Das Vertrauen in die USA ist aber leider schon verspielt worden. Bleibt zu hoffen, dass immerhin die Aufständischen die Waffen niederlegen und beim Wiederaufbau mithelfen. Das größte Problem wird auch weiterhin der Terrorismus bleiben, der sich auch gegen UN-, oder NATO-Truppen richten wird, welche die US-Truppen ersetzen könnten. Bei solchen Aussichten ist es vielleicht besser Friedenstruppen aus der Region bereitzustellen. Die Arbeit der UN muss auch in Zukunft gewährleistet werden, auch wenn Länder wie Ägypten oder Pakistan die Blauhelme und Aufbauhelfer stellen. Um eine Hilfe für den Irak kommt die Weltgemeinschaft nicht herum, wenn sie einen Bürgerkrieg und eine Destabilisierung der ganzen Region verhindern will.
 
Um noch mal auf die Irak Affäre zurück zu kommen, George W. Bush erwies sich als schlechter Liebhaber, er hat zu kurze Beine um die „irakische Braut“ zu küssen. Bleibt zu hoffen, dass John F. Kerry längere Beine hat.
 
von Anastasios Bakratsas


[1] Bericht der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), Rempel: Erdöl und Erdgas im Irak, Seite 4, vom 04.02.2003; unter: http://www.bgr.de/b121/ctn1803.pdf
[2] Seymour M. Hersh: Torture at Abu Ghraib, unter: http://www.newyorker.com/fact/content/?040510fa_fact
[3] Veröffentlichte Memoranden des US-Verteidigungsministeriums an Donald Rumsfeld, wonach Ende 2002 die Anwendung von härteren Verhörpraktiken gefordert wurde; abrufbar unter: http://www.usatoday.com/news/washington/2004-06-22-rumsfeld-abuse-usat_x.htm
[4] Bericht von Human Rights First, Ending Secret Detensions, Juni 2004; mehr unter: http://www.humanrightsfirst.org/us_law/PDF/EndingSecretDetentions_web.pdf
[5] Abrufbar unter: http://www.un.org/Docs/sc/unsc_resolutions04.html


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