Zwei Tage nach der Entscheidung des Hessischen Landeskabinetts zur Einführung von Langzeitstudiengebühren haben sich an der Johann Wolfgang Goethe-Universität mehr als 5.000 Studierende auf dem Campus versammelt, um gegen Studiengebühren zu protestieren. Einstimmig beschlossen die Studierenden eine Resolution. Sie lautet:
Wir, die Studierenden der Johann Wolfgang Goethe-Universität, treten
für ein gebührenfreies Studium ein. Wir lehnen die geplanten Langzeitstudien-
und Zweitstudiumsgebühren, sowie die Einführung weiterer versteckter
Gebühren, wie zum Beispiel den geplanten Verwaltungskostenbeitrag, grundsätzlich
ab. Aufs Schärfste verurteilen wir das Vorhaben der hessischen Landesregierung,
die Erträge aus Langzeit- und Zweitstudiumsgebühren zur Sanierung
des Landeshaushalts zu verwenden. Gleichzeitig wenden wir uns gegen die Kürzung
des hessischen Hochschuletats um 30 Millionen Euro. Statt dessen fordern wir
Reformen zur Sicherung der Chancengleichheit beim Hochschulzugang und die Garantie
auf ein kostenfreies Studium und eine eltern-unabhängige Finanzierung.
Wir kritisieren die eklatante Kurzsichtigkeit der hessischen Landesregierung
und fordern sie auf, das Studienguthabengesetz und das Gesetz zum Verwaltungskostenbeitrag
umgehend zurückzunehmen!“
Der AStA-Vorsitzende Falk Hertfelder stellte die Pläne der Landesregierung
vor. Er verdeutlichte, dass an der Goethe-Uni 13.000 und damit 25 Prozent der
Studierenden von Gebühren bis zu 1.500 Euro betroffen sind. Hertfelder
stellte plastisch dar, dass das Gesetz selbst besondere Härten nicht berücksichtigt:
Studierende benötigen in Frankfurt nach der Sozialerhebung des Deutschen
Studentenwerks über 800 Euro pro Monat zum Lebensunterhalt; die höchstmögliche
Unterhaltspflicht der Eltern liegt jedoch bei 650 Euro. Mehr als Zweidrittel
der Frankfurter Studierenden muss schon daher arbeiten, was zu Studienverzögerungen
führt, die nachträglich nicht berücksichtigt werden.
Studierende, die über den zweiten Bildungsweg kommen und mit Fachabitur
nach dem Fachhochschulgrundstudium an die Universität wechseln, erhalten
kein neues Studienguthaben.
Hertfelder forderte unter lautem Beifall, dass die Landesregierung erst einmal
die Studienbedingungen verbessern und gleiche Bildungschancen schaffen solle,
bevor sie über Studiengebühren nachdenke.
Die Studierenden beschlossen einen spontanen Demonstrationszug zur CDU-Kreisgeschäftsstelle,
um ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen. 2.000 Studierende sind zur Stunde auf
dem Weg. Zur gleichen Zeit fand auch an der Universität Gießen zum
selben Thema eine Vollversammlung statt, an der 2.500 Studierende teilnahmen.
Nähere Informationen: auf der Demo Falk Hertfelder (0179 5482004), im
AStA Thorsten Hofmann (0177/3176110) oder David Profit (0179/6643333)


|